Aus welchem Grund ergeben sich unterschiedliche Resultate zwischen manueller Titration anhand von Farbindikatoren und einer mit einem automatischen Titrator durchgeführten Endpunkttitration?
Diese Abweichungen treten vorwiegend bei der Durchführung von Säure-/Basen-Titrationen mithilfe eines pH-Indikators auf. Zum einen ändert sich die Farbe dieser pH-Indikatoren nicht bei einem festgelegten Wert, sondern innerhalb eines pH-Wert-Bereichs. Der tatsächliche Punkt, an dem sich die Farbe verändert, hängt stark von der Proben- und Indikatormenge ab und entspricht eventuell nicht dem automatisch bestimmten Endpunkt bei einem festgelegten pH-Wert.
Zum anderen entstehen Abweichungen auch aufgrund der Empfindlichkeit des menschlichen Auges gegenüber Farbwechseln. Auch wenn der Farbwechsel bereits begonnen hat, kann das menschliche Auge noch keine Veränderung erkennen. Bei der typischen Säure-/Basen-Titration mit potenziometrischer Bestimmung mittels eines pH-Sensors tritt die drastische Signalveränderung bei den ersten Spuren überschüssiger Säure (oder Base) ein und gibt den Endpunkt somit präziser an.
Darüber hinaus verbraucht ein Indikator Titriermittel für einen vollständigen Farbwechsel. Bei der Verwendung eines Indikators sollten daher Blindwert-Bestimmungen durchgeführt werden, um die bei der Probenneutralisation für den Farbwechsel verbrauchte Menge des Titriermittels zu berücksichtigen. Wird dieser Verbrauch nicht mit einbezogen, können die Resultate zu hoch ausfallen.