Warum kann ich während der Säure-Base-Titration zwei Inflektionspunkte nebeneinander erkennen?
Das ätzende (basische) Titriermittel ist aufgrund der Aufnahme von Kohlendioxid aus der Umgebungsatmosphäre mit Carbonat verunreinigt. Somit enthält das Titriermittel sowohl Carbonat- als auch Hydroxid-Ionen, d. h. zwei unterschiedliche basische Substanzen, die mit der säurehaltigen Probenlösung reagieren. Bei der Titration starker Säuren mit solch verunreinigten Titriermitteln entsteht eine typische „Carbonat-Titrierkurve“ mit zwei Inflektionspunkten nebeneinander.
Auch ein schlechter Sensorzustand, der Wartungsmassnahmen am Sensor erfordert, könnte die Ursache sein.
Kohlendioxid hat beträchtliche Auswirkungen auf die Titration mit alkalischen Titriermitteln.
CO2 reagiert mit starken Basen wie NaOH, KOH, TBAH, NH4OH. Hierdurch entstehen entsprechend den nachfolgenden Gleichungen Carbonate:
H2O + CO2 -> H2CO3
H2CO3 + 2MOH -> 2Na2CO3 + 2H2O. (M = Na+, K+, NH4+,TBA+)
Folglich enthält das Titriermittel sowohl Carbonat- als auch Hydroxid-Ionen. Wenn dieses Mittel nun zur Titration starker Basen verwendet wird, entsteht eine typische „Carbonat-Titrierkurve“ mit zwei Inflektionspunkten [Abbildung 1].

Eine Identifizierung der beiden Sprünge ist nicht gerade einfach, da sich die Menge an überschüssigem Titriermittel sowie der Gleichgewichtspunkt während der Titration verändern. Der erste Sprung könnte sowohl der starken Säure entsprechen als auch dem Übergang von Kohlensäure zu Hydrogencarbonat, während der zweite Sprung den Übergang von Hydrogencarbonat zu Kohlensäure darstellen könnte. Bei der Titration von schwachen Säuren ist nur ein Sprung erkennbar. Das heisst, dass alle entsprechenden Reaktionen gleichzeitig erfolgen und eine Differenzierung zwischen den beiden Inflektionspunkten nicht möglich ist. Da starke Basen in der Regel mit schwachen Säuren titriert werden (Kaliumhydrogenphthalat, Benzoesäure), ist die Konzentration des für die Analyse starker Säuren verwendeten Titriermittels nicht korrekt und führt zu falschen Resultaten. Folglich sollten alkalische Titriermittel so hergestellt und geschützt werden, dass die Effekte von CO2 minimiert werden.
Rechtliche Informationen
Ascarite ist ein eingetragenes Warenzeichen von Arthur H. Thomas Co.